| Reisebericht
zur Gastspielreise der Wadlbeißer
Vorgeschichte
Anfang August kam bei uns eine Email an, in der gefragt wurde,
ob wir am 03.10.2004 in Teheran spielen könnten. Schnell
verbreitete sich unter uns Musikanten die Nachricht und keiner
wusste so recht, ob die Mail wohl echt sei. Nichts desto trotz
antworteten wir auf diese Anfrage und stellten so den Kontakt
mit dem stellvertretenden Botschafter, Herrn Dr. Zickerick,
her. Dieser hatte sich unter seiner privaten Emailadresse
gemeldet, die uns bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt
war. Herr Dr. Zickerick, den wir schon aus Moldawien kannten,
wurde, wie wir erfuhren, erst kürzlich in den Iran versetzt.
Er organisierte, wie auch letztes Jahr, wieder die Feierlichkeiten
zum Tag der Deutschen Einheit.
Von
der Deutschen Botschaft in Teheran, der Hauptstadt der Islamischen
Republik Iran, wurde unsere Musikgruppe dann vom 02.-05.10.2004
eingeladen, um bei der offiziellen Feier anlässlich des
Tages der Deutschen Einheit im Iran aufzutreten. An dieser
Reise nahmen Andreas Feuerer (B-Klarinette), Sebastian Gradl
(Es-Klarinette), Alois Hinreiner (Gitarre), Klaus Christen
(Tuba), Christian Preuß (Steirische Knopfharmonika)
und Michael Franke (Akkordeon) teil.
Als bekannt wurde, dass wir in den Iran fliegen werden, meldeten
sich einige Personen bei uns, mit der Bitte, ob wir ihnen
bestimmte Dinge mit in den Iran nehmen könnten. So fragte
uns eine BMW-Mitarbeiterin telefonisch aus Teheran, ob wir
ihr vielleicht ihr Dirndl (bayerische Tracht für Frauen),
das sie in München hatte, und Fishermans Friends mitbringen
könnten. Sie war zu diesem Zeitpunkt schon im Iran um
dort ihre Doktorarbeit zu schreiben.
Am Tag vor dem Flug meldete sich auch der Co-Botschafter,
Herr Dr. Zickerick, und bat, ob wir seiner Frau 2-3 Packungen
Mozartkugeln einpacken könnten.
Beide Wünsche erfüllten wir natürlich gerne.
Samstag, 02.10.2004
Anreise nach Teheran, Iran
Samstag um 11:00 Uhr brachen wir zu unserer Reise auf. Als
wir auf der Fahrt zum Münchner Flughafen im Auto, wurde
gerade das Radiointerview mit Christian Preuß, dem Leiter
der Wadlbeißer, auf dem Sender Radio Bayern 2 anlässlich
dieser Reise in der Bayernchronik ausgestrahlt.
In
München angekommen, trafen wir uns, nach einem ausgiebigen
gemeinsamen Mittagessen im Air-Bräu, zuerst mit Herrn
Tamur Goudarzi-pur, von der Lufthansa Iran und Herrn Florian
Pötsch von der Flughafen München GmbH. Sie überreichten
uns die Tickets. Unser Flug nach Teheran wurde in Zusammenarbeit
von Lufthansa und Flughafen München gesponsert. Hierfür
nochmals recht herzlichen Dank.
Wir flogen mit einer Maschine der Lufthansa vom Typ Airbus
340-300, die zu unserem Erstaunen bis auf den letzten Platz
besetzt war. Der Flug verlief ruhig und wir waren voller Erwartung
auf das fremde Land mit einer ganz anderen Kultur. Gleich
nach der Landung in Teheran wurde im Flugzeug darauf hingewiesen,
dass Frauen im Iran Kopftücher tragen müssen.
Ankunft in Teheran Flughafen "Mehrabad"
Nach
der unproblematischen Visa- und Passkontrolle gingen wir in
Richtung Ausgang des Flughafengebäudes. Menschenmassen
drängten sich am Eingang des Flughafens. Frauen und Männer
mit Blumen in den Händen versuchten ins Gebäude
zu kommen, aber die Sicherheitskräfte ließen sie
nicht hinein. Wie uns Herr Goudarzi-pur erklärte, sehen
hier Iraner ihre Angehörigen vielleicht nach vielen Jahren
zum ersten Mal wieder. Man konnte beobachten, wie ganze Familiengruppen
auf Fluggäste warteten und diese dementsprechend emotional
begrüßten. Lois fuhr zu diesem Zeitpunkt den Gepäckwagen
mit unseren Musikinstrumenten und musste sich durch diese
gewaltige Menschenmenge kämpfen. Vor dem Gebäude
erwartete uns schon Herr Dr. Zickerick mit zwei Botschaftswägen
und begrüßte uns herzlich im Iran. Anschließend
fuhren wir durch das nächtliche Teheran. Strassen und
Denkmäler erstrahlten in buntem Licht. Man erzählte
uns, dass hier vor kurzem ein großes Fest zu Ehren des
12. Imam stattgefunden habe, auf den die gläubigen Iraner
seit Jahrhunderten warten.
Im Hotel angekommen trafen wir sogleich mit Cornelia Menzel,
der Dirndlbesitzerin, zusammen und übergaben ihr das
gute Stück. Wir waren im Zentrum von Teheran in einem
Appartmenthotel untergebracht, in dem auch BMW-Mitarbeiter
wohnten. Wir möchten uns an dieser Stelle nochmals bei
BMW für die Unterbringung im Hotel bedanken.
Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten, feierten wir noch
den Geburtstag unseres Es-Klarinetten-Spielers Sebastian.
Wie bemerkte einer der Musikanten so schön: „Das
ist die „trockenste“ Geburtstagsfeier, die wir
je hatten, mit lauwarmem Cola, Fanta und Wasser….“.
Da im Iran strengstes Alkoholverbot herrscht, blieb uns nichts
anderes übrig als mit Wasser auf Wastls Geburtstag anzustoßen.
Relativ früh gingen wir dann zu Bett um am nächsten
Tag fit zu sein.
Sonntag, 03.10.2004
Teheran erstreckt sich in Nord-Süd-Ausrichtung von 1.100
m Höhe bis zu 1.700 m Höhe über dem Meer und
liegt an den Ausläufern des Elbrus-Gebirges, das sich
bis in schwindelnde 5.000 m Höhe hochschraubt. Das Klima
ist bis in den Dezember hinein sehr trocken und warm. Auch
wir hatten Anfangs Oktober noch etwa 30° C Wärme.
Stadtrundfahrt
Am
Morgen nach dem Frühstück, zu dem es Butter, Käse,
Honig, Karottenmarmelade und Fladenbrot gab, wurden wir von
einem deutsch sprechenden Fremdenführer im Hotel abgeholt
und begannen mit unserer Stadtrundfahrt. Die erste Station
führte uns ins Iranische Nationalmuseum. Dort betrachteten
wir zahlreiche Sehenswürdigkeiten, z.B. die Gesetzesstele
des Königs Hamurabi. Im Gebäude daneben befindet
sich gleich das Islamische Museum. Hier ist die Geschichte
des Islam von Beginn an bis in die heutige aktuelle Zeit dargestellt
und es gibt viele weitere kulturelle Schätze zu bestaunen.
Zum Mittagessen fuhren wir in den Jamshidiyeh Park und speisten
in einem kurdischen Restaurant mit herrlichem Blick hinunter
auf Teheran. Jeder Musikant bestellte sich eine
andere landestypische Speise und wir probierten die einzelnen
Spezialitäten reihum. Als Gerichte bekamen wir verschiedene
Arten von Kebab, bestehend aus Kalb, Huhn- bzw. Hackfleisch
und wer wollte, auch eine Art Gulasch genannt „Horesh“,
das mit unterschiedlichen Fleischsorten (außer Schwein),
aber auch mit Gemüse bereitet werden kann. Als Beilagen
gab es Reis mit Safran und Salat. Serviert wurde uns das ganze
von einem deutschsprechenden Kellner, der 9 Jahre lang in
Bayern, in der Nähe von München, gearbeitet hat.
Im Übrigen hörten wir immer wieder deutsch sprechende
Touristengruppen die in Teheran unterwegs waren.
Am Nachmittag besichtigten wir den Niavaran Cultural/Historic
Complex, der ursprünglich als Sommerresidenz des letzten
Shah’s, Reza Pahlavi genutzt wurde und in einem herrlichen
Park, damals außerhalb Teherans, errichtet wurde. Der
Sahebqraniyeh Palast wurde 1267 unter Nasser-ed-Din-Shah erbaut.
Leider wurden unter dem Herrscher Pahlavi II, zahlreiche Umbauten
getätigt und die historische Originalität ging verloren.
Der Palast beinhaltete zum einen die offiziellen Empfangsräume
der Herrscher, zum anderen die privaten Schlafgemächer
und Teile des umfangreichen Harems, wie unser Fremdenführer
berichtete. Neben Mao Tse Tung, Kurt-Georg Kiesinger und vielen
anderen Staatsgästen war auch Konrad Adenauer mit einem
Bild und persönlicher Widmung vertreten. Die Iraner hatten
schon immer ein gutes Verhältnis zu Deutschland. So wurde
das gesamte Eisenbahnnetz des Iran von Deutschen errichtet,
ebenfalls der 1937 neu gebaute Hauptbahnhof Teherans.
Botschaftsempfang zum Tag der deutschen Einheit
Nach Besichtigung der Palastanlage fuhren wir zurück
ins Hotel und richteten uns für den Botschaftsempfang
her. Pünktlich um 16:00 Uhr saßen wir fertig angezogen
in bayerischer Tracht mit unseren Instrumenten in der Hotelhalle
und warteten auf unsere Abholung durch die Fahrer der deutschen
Botschaft. Zu unserem Erstaunen aber kam kein Auto. Zuerst
dachten wir, aufgrund des Dauerstaus in Teheran von 08:00
Uhr morgens bis 22:00 Uhr abends, würde unser Shuttle-Service
etwas später kommen. Als um 16:30 Uhr immer noch kein
Fahrer erschienen war, mussten wir uns schon Sorgen machen,
denn der Botschaftsempfang begann um 18:00 Uhr und die Residenz
war am anderen Ende der City. Eine Stadt mit 14 Millionen
Einwohnern, bei der auf 17 Personen ein Auto kommt, hat schon
ein gewaltiges Verkehrspotential. Dazu kommen in der Rushhour
noch ca. 2-3 Millionen Pendler, die am Morgen in die Stadt
hinein und abends heraus wollen. Um 16.45 Uhr riefen wir dann
den Co-Botschafter, Herrn Dr. Zickerick an und fragten, ob
er wisse, was mit unserem Auto sei, bzw. ob wir lieber ein
Taxi nehmen sollten. Beim Gespräch stellte sich heraus,
dass durch ein Missverständnis gar kein Bus zu uns unterwegs
war. Wir vereinbarten dann, mit zwei Taxis zur Residenz zu
fahren. Das Problem an der Sache war aber, dass auch die vom
Hotel bestellten Taxis wegen des Verkehrsgewühls erst
um 17:15 Uhr am Hotel eintrafen und den Weg zur deutschen
Residenz nicht kannten.
Also wurde schnell noch einmal bei der deutschen Botschaft
angerufen und der iranische Hotelangestellte an der Rezeption
schrieb uns in persischer Sprache die Adresse der Deutschen
Residenz auf. Damit gingen wir zu den beiden iranischen Taxifahrern,
zeigten ihnen den Zettel und versuchten nun unsere Ausrüstung
und Instrumente in die beiden kleinen Taxis zu bekommen. Die
Tuba, in ihrem Transportkoffer schaute mehr als die Hälfte
aus dem Kofferraum heraus. Das übrige Gepäck passte
gerade noch zusammen mit uns in die beiden Taxis. Dann starteten
die beiden Taxifahrer zu ihrer Rallye durch die Stadt. Rote
Ampeln, verstopfte Straßen und Staus hinderten sie nicht
daran durch die Stadt zu rasen. Das Taxi vor uns, in dem Christian,
Lois und Wastl saßen, fuhr mit quietschenden Reifen
durch die Kurven
und wir dachten alle nur „Hoffentlich kommen wir heil
an“. Es ist uns heute noch nicht klar, wie die beiden
Taxifahrer es geschafft haben, in ca. 25 Minuten von einem
Punkt der Stadt zum anderen zu gelangen. Jedenfalls waren
wir 20 Minuten vor dem offiziellen Beginn an der deutschen
Residenz angelangt. Christian sprang sofort aus dem Auto und
rannte zu einem offiziellen Botschaftsangestellten am Tor
der Residenz mit der Bitte die Bezahlung der Taxis abzuwickeln.
Wir hatten zu diesem Zeitpunkt und auch später noch kein
iranisches Geld bei uns. Während der Botschaftsangestellte
mit den Taxifahrern verhandelte, luden wir aus und machten
uns auf den Weg in den Park der Residenz.
Von weitem schrie schon jemand „ah die bayerische Musi
is a da“. Kein Wunder, zu übersehen waren wir nicht,
mit unserer Tracht und den Instrumenten. Am Eingang und auf
dem Weg in die Residenz wurden wir herzlich von deutschen
Landsleuten empfangen. Nach der Begrüßung durch
den Botschafter, Herrn Freiherr von Malt-zahn und Herrn Dr.
Zickerick, der sichtlich erleichtert war uns rechtzeitig am
Empfang zu sehen, wurden wir weiteren Angestellten und Angehörigen
der Botschaft vorgestellt. Danach begaben wir uns auf unsere
Plätze und packten die Instrumente aus.
In der Residenz der deutschen Botschaft in Teheran
Die Residenz des deutschen Botschafters, die 1967 fertig gestellt
wurde, befindet sich im
Stadtteil Elahiye im Norden Teherans. Sie liegt in einem parkähnlichen
Garten mit einer Größe von ca. 70.000 qm. Hier
ist offizielles deutsches Hoheitsgebiet.
Frauen konnten sich ohne Kopftuch in der Öffentlichkeit
zeigen, was auch zu unserem Erstauen sehr viele Iranerinen
taten. Die Anlage war festlich, teils in deutschen, teils
in bayerischen Farben geschmückt. Kaum hatten wir unser
erstes Musikstück zum Einspielen beendet, hörten
wir schon in der Nähe einen Muezzin zum Gebet rufen und
wir warteten 10 Minuten ab, bis dieser es wieder beendet hatte.
Wir nutzten die Gelegenheit um uns etwas in diesem Gelände
umzuschauen. Es
gab verschiedene Stände, z.B. von unseren Sponsoren Lufthansa,
DHL, BMW, dem Freistaat Bayern und was uns besonders freute,
einen Stand mit bayerischem Brot und Brezen, gebacken von
einem iranischen Bäcker nach bayerischen Originalrezepten.
Auch ein Stand mit Weißwürsten und alkoholfreiem
(leider nicht bayerischem) Bier fehlte nicht. Nach dem Ruf
des Muezzin begannen wir wieder zu spielen und der Garten
füllte sich schnell mit ca. 1000 Gästen, Iranern,
Deutschen, die dort lebten, arbeiteten oder nur auf Besuch
waren, Vertretern anderer Botschaften und Geschäftsleuten.
Es folgten die offiziellen Ansprachen, in denen auch wir genannt
wurden und die beiden Nationalhymnen Deutschlands und des
Irans. Nachdem dieser offizielle Teil vorüber war, fingen
auch wir mit unserem Programm an. Es dauerte nicht lange und
wir waren das Fotomotiv Nummer eins auf dieser Feier. Von
allen Seiten umringten uns die Besucher (gleichfalls Iraner
wie Deutsche) um sich mit uns Musikanten fotografieren zu
lassen. Man konnte beobachten, dass Gäste mit den Mobiltelefonen
ihre Verwandten oder Freunde anriefen und die Telefone in
unsere Richtung hielten, um den Teilnehmern am anderen Ende
der Leitung diese „Besonderheit“ hören zu
lassen. Als wir Musik spielend durch den Park zogen, mussten
wir immer wieder stoppen und als Gruppe Modell stehen.
Zu späterer Stunde verlagerten wir unseren Standort auf
die Terrasse der Residenz. Dort tanzten
wir mit den Gästen unkomplizierte Volkstänze und
sangen mit ihnen einfache bayerische Wirtshauslieder, die
jeder sofort mitsingen konnte.
Was uns sehr freute, war die Aufgeschlossenheit und das Interesse
der Einheimischen an unserer schön en
bayerischen Musik. Etliche Male wurden wir in englischer Sprache
und sogar auf Deutsch angesprochen, weshalb wir nach Teheran
gekommen seien und was wir hier machen würden. Wir lernten
einen Iraner mit bayerischem Trachtenjanker kennen, der 10
Jahre im München gelebt hatte und sogar am Oktoberfest
tätig war. Allgemein fiel uns auf, dass man Deutschen
gegenüber im Lande sehr freundlich gesinnt war.
Montag, 04.10.2004
Besichtigung Kashan
Am
Montag wurden wir von „unserem“ netten Botschaftsfahrer
Hamid und einem englischsprachigen Reiseführer aus dem
Iran von unserem Hotel abgeholt. Wir fuhren dann ca. 300 Kilometer,
an Qom vorbei nach Kashan, einer Stadt mit ca. 500.000 Einwohnern.
In Kashan brachten wir, durch unseren Wunsch, einen Basar
zu besuchen, das eng gesteckte Programm
unseres Reiseführers durcheinander. Der Basar in Kashan
entsprach den Vorstellungen eines orientalischen Marktes in
sehr vielen Dingen. Es gab zahlreiche kleine Geschäfte
in engen Räumen oder Nischen, der Duft von verschiedenen
Gewürzen lag in der Luft und an allen Ecken und Enden
boten Händler (fast) alle Arten von Waren an. Auch sehr
viele „westliche“ Artikel waren zu sehen. Wir
entdeckten sogar ein weißes Brautkleid und das in einem
islamischen Land, in dem sich Frauen verschleiern müssen.
In einem typischen Teehaus im Basar hielten wir kurz Rast.
Wir kosteten aromatischen iranischen Tee und einige Musikanten
probierten eine Wasserpfeife aus. Sie saßen genüsslich
auf einem bunten Teppich und relaxten. Nach dieser Verschnaufpause
ging es wieder zurück in den hektischen Teil des Basars.
Schließlich besichtigten wir noch ein altes Badehaus
im Keller dieses Basars und jeder kaufte noch eine Flasche
Rosenwasser als Geschenk für unsere Lieben zu Hause.
Als nächster Punkt stand die Besichtigung zweier Häuser
kaufmännischer Familien auf dem Programm. Eines davon
war das Haus Boroudjerdi. Das Gebäude bestand aus vier
Stockwerken,
unzählige Zimmer und Passagen waren mit bunten Mosaiken
und leuchtenden Glasfenstern ausgeschmückt. Der Eingangsbereich
war in verwinkelten Gängen angelegt, zum einen, dass
man den Verlauf des Hauses nicht sofort erkannte, zum anderen
dass Staub und Sand abgefangen wurden und sich nicht gleich
in das ganze Haus verteilten. In den Decken waren Löcher
zur Entlüftung eingelassen, was in diesen Breitengraden
aufgrund des seltenen Regens auch keine Probleme bereitete.
An den Eingangstüren
waren zwei verschiedene Arten von „Klingeln“ angebracht.
Auf der einen Seite mussten die ankommenden Männer, auf
der anderen Seite die Frauen an die Tür klopfen. Man
hörte je nach Klang des Türklopfers, ob ein Mann
oder eine Frau vor der Tür stand. Die Frauen im Haus
wussten dadurch, ob sie verschleiert öffnen mussten,
oder ob sie den Schleier nicht tragen brauchten. In den Innenhöfen
standen prächtige Brunnen und Wasserspiele und das in
einer Gegend in der Wasser ein knappes und kostbares Gut war
und immer noch ist.
Besichtigung des Bergdorfes Abianeh
Wir
fuhren dann in das ca. 70 Kilometer entfernte und nochmals
südlicher liegende Dorf Abianeh im Kuhrud-Gebirge in
ca. 2500 m Höhe.
Die Wurzeln dieses Bergdorfes reichen über 7000 Jahre
zurück. Die meisten Häuser wurden aus rotem Lehm
der umliegenden Berge, mit Stroh vermischt errichtet, manche
Gebäude bestanden aus Lehmziegeln. Heute leben noch ca.1000
vorwiegend ältere Menschen in diesem Dorf. Die junge
Bevölkerung zog in die Städte, denn der Ort befindet
sich mitten im Gebirge, weit weg von der nächsten größeren
Stadt.
Die bis dahin gut ausgebaute Straße endet hier. Das
Zentrum des Dorfes ist für Fahrzeuge gesperrt. In den
engen Strassen sah man Esel. Von der Moschee aus hatte man
einen schönen Blick auf die bergige und „rote“
Landschaft.
Durch das Tal schlängelte sich ein kleiner Bach mit stellenweise
bewaldeten Ufern.
Das übrige Land war ausgetrocknet. In der Wüste
zwischen Teheran und Abianeh sahen wir große Salzseen
und vereinzelt Oasen, an denen Dörfer entstanden sind.
Die
Rückfahrt nach Teheran verlief etwas stressig. Wir wurden
tags zuvor vom Co-Botschafter für den Montag Abend privat
zu seiner Familie eingeladen. Schon als wir im Bergdorf in
Abianeh gegen 16:00 Uhr wegfuhren, hatten wir eine Verspätung
von ca. 2 Stunden. Es lagen noch annähernd 400 Kilometer
und der bevorstehende Stau in Teheran vor uns. Also drückte
unser Fahrer etwas aufs Gas. In Kashan mussten wir tanken.
An der Tankstelle konnten wir es gar nicht glauben, dass im
Iran der Liter Benzin nur ca. 8 Cent kostet. Uns wurde erzählt,
dass der Iran selber kein Benzin produziert, nur Erdöl
exportiert, Benzin importiert und dann den Benzinpreis auch
noch um die Wirtschaft anzukurbeln subventioniert. Die Fahrt
über die sehr gut ausgebauten Autobahnen ging recht schnell
voran. Wie uns der Fahrer berichtete, darf man hier auf der
Autobahn tagsüber mit 95 und nachts mit 85 Kilometer
pro Stunde fahren. Wir haben heimwärts nicht auf den
Tacho gesehen; trotzdem waren wir schon um 19:45 Uhr vor den
Toren Teherans.
Zwischendurch meldete sich Herr Dr. Zickerick beim Fahrer,
um sich nach dem Stand der Dinge und der ungefähren Ankunftszeit
zu erkundigen. Problematisch wurde die Fahrt erst in Teheran.
Wie schon erwähnt, Dauerstau von ca. 08:00 bis 22:00
durchgehend. Irgendwie schaffte es unser geübter Fahrer
doch, sich seinen Weg einigermaßen zügig durch
Teheran zu bahnen. Angekommen im Privathaus der Familie Zickerick
wurden wir schon von der gesamten Familie erwartet. Frau Zickerick
hatte ein wunderbares Abendessen zubereitet. Wir unterhielten
uns über diese Iranreise, unsere letztjährige Fahrt
nach Moldawien und über die vielen Eindrücke von
Land und Leuten.
Nach dem Abendessen und gemütlichem Zusammensein fuhren
wir zurück in unser Hotel, packten unsere Koffer und
machten uns auf den Weg zum Flughafen.
Noch einmal fuhren wir, wie schon bei der Ankunft am Samstag,
durch das nächtliche, bunt beleuchtete Teheran. Die Straßen
waren um 02:00 Uhr nachts leer. Es war keine Menschenseele
in der 14 Millionen Stadt unterwegs. Am Flughafen herrschte
auch um diese Uhrzeit reges Treiben. Wir verabschiedeten uns
vom Botschaftsfahrer und gingen zum Einchecken. Die Kontrollen
am Flughafen verliefen zügig und ohne Komplikationen
und bald saßen wir im Flieger mit dem Ziel Deutschland.
Noch überwältigt von den vielen fremden Eindrücken
waren wir glücklich, wieder auf dem Weg nach Hause zu
sein.
Dienstag, 05.10.2004
Ankunft Flughafen München
Um 07:00 Uhr am Morgen unserer Zeit kamen wir alle
gesund und „munter“ in unserem schönen Bayernland
an. Sebastians Vater erwartete uns schon am Flughafen und
so konnten wir die Heimreise von München nach Regensburg
antreten.
Fazit
Die Fahrt in den Iran wird für uns sicher unvergesslich
bleiben. Wir wurden sehr freundlich aufgenommen und von der
Botschaft sehr gut betreut. Wir möchten uns nochmals
bei allen, die es uns ermöglicht haben, diese Reise zu
unternehmen, herzlich bedanken.
Regensburg, den 16.10.2004
d´Wadlbeißer
Michael Franke
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